The Drone Experience

SPOAC GMP-Teilnehmer haben einen Blick hinter die Kulissen des wohl ungewöhnlichsten Rennsport-Events der Welt geworfen. Zwei Erfahrungsberichte aus den Tiefen eines rumänischen Bergwerks.

Hast du je eine Drohne fliegen sehen?

Von SPOAC-Stipendiat Erwin Groenendijk

Wenn nicht, dann wird es nicht mehr lange dauern. Denn die Frage ist eigentlich nicht ob, sondern wann du das erste Mal eine Drohne sehen wirst. Drohnen sind anscheinend überall, auch wenn sie für mich persönlich noch nach einer weit hergeholten Idee erscheinen, bei der die Schwierigkeiten schwerer wiegen als die Vorteile. Aber es sieht so aus, als würden Drohnen bereits in naher Zukunft ein wichtiger Teil unseres Lebens sein werden.

Jetzt fragt man sich vielleicht, wie ich darauf komme. Nach meinem dritten Modul in dem einjährigen General Management Program bei der SPOAC Sports Business Academy by WHU wurde ich mit einigen anderen eingeladen, ein Drohnen-Rennen in Rumänien zu besuchen und dort hinter die Kulissen zu blicken.

Paris, Lichtenstein, Brüssel, Salina und Berlin

Im vergangenen Jahr 2016 wurden nach Angaben des Marktforschers Gartner 2,2 Millionen Drohnen verkauft. Eine Drohne, die rund 700 Gamm wiegt, kann eine Maximalgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Von Null auf 100 in nur 1,6 Sekunden – das ist schneller als jedes Auto, das ich bis jetzt in meinem Leben gefahren bin. Heutzutage kostet eine Drohne zwischen 300 und über 1000 Euro. Der Wert variiert je nach Model und Qualität der Drohne.

Während Drohnen nun für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich werden, sind auch immer mehr Drohnen-Piloten gefragt. Die Anzahl der Amateure und professionellen Drohnen-Piloten wächst unheimlich schnell. Um diesen professionellen Piloten eine Wettkampfplattform zu bieten, wurden unterschiedliche Ligen ins Leben gerufen. Darunter die bis dato am besten bekannte Drone Champions League (DCL). Die DCL, eine europäische Liga bestehend aus acht Teams, organisiert in der Saison 2017 fünf Drohnen-Rennen. Diese finden in Paris, Liechtenstein, Brüssel, Salina in Burda (Rumänien) und Berlin statt.

Eine Szene wie bei James Bond

Mitten im Herbst in den Salzminen Salina in Burda, Rumänien: Am 14. und 15. Oktober hat die DCL dort das vierte Rennen der Saison veranstaltet. Glaubt mir, wenn ich euch sage: Eines dieser Drohnen-Rennen zu besuchen ist eine absolut neue Erfahrung. Das surrende Geräusch, wenn die Drohnen mit ungefähr 100 km/h an deinem Kopf vorbeifliegen und dazu die unglaubliche Arena in den Salzminen. Eine Location, die mich an eine typische James-Bond-Szenerie erinnert hat und wo 007, wenn er nicht schon mal dort war, definitiv hin sollte! Einfach nur abgefahren!

Da das Event erst ein Jahr alt ist, gibt es einige Aspekte, die die Organisatoren der DCL noch einmal bedenken sollten. Darunter vor allem die Pausen zwischen den einzelnen Rennen, in denen die letzten technischen Elemente überprüft werden.

Die Gemeinsamkeiten mit dem eSport

Das Potenzial von Drohnen im Allgemeinen und das der DCL ist enorm. Auch wenn es noch schwer vorstellbar ist, dass wir irgendwann ein alltägliches Leben mit Drohnen führen werden, sind die Möglichkeiten des Einsatzes von Drohnen besonders im Sport, wie beispielsweise beim Fußball und im Radsport, oder auch beim Ausliefern von Paketen schier unendlich.

Der Drohnen-Sport selbst steckt noch in seinen Kinderschuhen. Aber genau deswegen ist es ein sehr guter Grund für Sponsoren, sich genau jetzt zu engagieren. Die Gemeinsamkeiten, die der Drohnen-Sport mit dem eSport aufweist, begründen sich vor allem in den Sponsoring-Möglichkeiten für non-endemische Marken. Dazu zählen beispielsweise Conrad, Elektro-Unternehmen wie Innogy sowie Hewlett, Packard Enterprises und Dell, die bereits im eSport aktiv sind.

Die Macht von Drohnen- und eSport-Wettkämpfen, begründet sich meiner Meinung nach in der erfolgreichen Vereinigung von Sport und Elementen von Virtual Reality.

Anders ausgedrückt: Es macht keinen Unterschied, ob man selbst der Drohnen-Pilot ist, ein Drohnen-Rennen als Zuschauer besucht, zu Hause mit einer Virtual-Reality-Brille das Rennen verfolgt, oder einfach im Fernsehen einschaltet.  Jeder kann das Gefühl haben, ein Teil dieses neuen Sports zu sein. Zusätzlich kommt die herausragende Reichweite auf Social-Media-Plattformen wie Twitter hinzu, auf denen sich Tausende von Menschen für den Drohnen-Sport interessieren.

Beispielsweise wurde zum ersten Mal im deutschen Fernsehen das DCL-Event in Rumänien live auf Sport1 übertragen. Wer weiß, welche Möglichkeiten sich also künftig noch für den Drohnen-Sport ergeben werden.

Vielen Dank an SPONSORs und WWP.

Drohnen-Rennen – die Zukunft des Motorsports?

Von SPOAC-Stipendiatin Clare Dinsdale

Auch ich war eine der Glücklichen, die bei diesem Spektakel dabei sein durfte. Ich muss zugeben, als ich die Salzminen betreten habe war es, als würde ich in eine andere Welt laufen. Ich glaube ungefähr so muss sich Alice gefühlt haben, als sie zum ersten Mal das Wunderland gesehen hat.

Das Aufbauen der Arena im Vorfeld hat circa eine Woche gedauert. In diesem speziellen Fall wurde die natürliche Struktur der Salzminen in die Rennstrecke integriert. Die Organisatoren haben sich bemüht, das Event nicht nur als Drohnen-Rennen zu gestalten, sondern als wahres Sport-Entertainmentprogramm. Die Atmosphäre war freundlich und familiär und hat alle Sinne beansprucht: Das Salz in der Luft, das man bei jedem Atemzug auf der Zunge geschmeckt hat, die Musik mit ihrem beständigen Rhythmus – und natürlich das Rennen an sich, das einfach nicht von dieser Welt zu sein schien.

Eine Drohne kann bis zu 140 km/h schnell fliegen. Ihr Minimalgewicht beträgt 700g und von ihrer Größe passt sie perfekt in eine ausgetreckte Hand. Zudem ist sie auch noch beleuchtet, was sie eher aussehen lässt wie einen kleinen Kometen, der an einem vorbeisaust. Die eigentlichen Rennen dauern nur circa eine halbe Minute. Bei so einer kurzen Zeitspanne schafft es sogar der skeptischste Zuschauer, die Geduld zu bewahren und eventuell eine neue Rennsportart für sich zu entdecken.

Warum Drohnen-Rennen?

Zunächst gibt es beim Drohnen-Sport keine Altersbegrenzung. Bei dem Event in Rumänien war der jüngste Drohnen-Fahrer gerade mal neun Jahre alt, der Älteste in den Vierzigern. Zudem muss man keinen Fitness-Test absolvieren. Wie bei den meisten anderen Sportarten gibt es auch beim Drohnen-Sport ein Preisgeld für das Gewinnerteam der Turniere. In der DCL gewinnt das Sieger-Team 100 000 Euro und muss dafür fünf Rennen gewinnen.

Was kann man noch alles mit einer Drohne anfangen? Drohnen werden beispielsweise in der Werbung eingesetzt, um schnelle Bewegtbilder aus der Vogelperspektive einzufangen oder gefährliche Regionen zu filmen.

Was würden wir künftig gerne sehen?

Beim Drohnen-Sport gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten des Wachstums. Was sicherlich interessant werden könnte ist, die Sicht des Piloten einzufangen. Dafür müsste eine Kamera an der Drohne befestigt werden, die aus der Ego-Perspektive Bilder überträgt. Ich hatte die Möglichkeit, diese Perspektive einzunehmen, und es war ein einmaliges Erlebnis! Natürlich sieht es ein bisschen seltsam aus, wenn man die große Virtual-Reality-Brille aufsetzt, aber das Rennen in einer First-Person-Perspektive zu verfolgen fühlt sich ein bisschen so an wie in einer Achterbahn zu fahren, ohne seinen Platz zu verlassen. Diese Erfahrung ist allerdings nichts für schwache Nerven, da man jede Kurve, jeden Schlenker und jeden Looping so sieht, als würde man ihn selbst erleben. Es würde mich aber nicht wundern, wenn die Drohnen-Ligen in den kommenden Jahren kleinere Drohnen für die Zuschauer bereitstellen, durch die man eine verkürzte Version des Hindernissparkurses durchlaufen kann. So könnte man wirklich miterleben, was der Pilot beim Rennen fühlt.

Die ausgesprochene Kürze der Rennen könnten ein Pluspunkt sein. Motorsportfans, die zwar den Sport lieben, aber kein Fan langatmiger Strecken sind, könnten eine Leidenschaft dafür entwickeln.

Merchandising und Sponsoring sind weitere Punkte, die ausgebaut werden können. Derzeit habe ich zum Beispiel noch keine Merchandising-Produkte bei Drohnen-Rennen gesehen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass Fans in ein paar Jahren die Logos ihrer Teams auf beispielsweise T-Shirts tragen werden.

Wer noch mehr über den Drohnen-Sport erfahren will, der sollte sich definitiv die Website der DCL anschauen. Dort gibt es genügend Informationen, wie man in diesem faszinierenden Sport mitwirken kann.

Vielen Dank an SPONSORs, WWP und die DCL, die dieses einmalige Erlebnis möglich gemacht haben.